Drei Begriffe die gerne miteinander vermischt werden. Sie haben ganz unterschiedliche Qualitäten und stehen auf unterschiedlichen Stufen. Die unterste Form ist das Lob.
In Schule und Erziehung weitverbreitet, zuweilen auch im Arbeitsleben. Das merkt man immer dann, wenn man sich vorkommt, als würde man wie ein Kind behandelt zu werden.
Und da liegt der Hund auch schon begraben. Denn die Formulierung „behandeln wie ein Kind“ ist schon zu hinterfragen. Warum behandeln wir Kinder anders und warum ist uns das als Erwachsene so unangenehm. Ist es den Kindern dann nicht auch unangenehm? Was meint man damit wirklich?
Missverstehe mich bitte richtig, es ist absolut großartig Kinder nicht wie kleine Erwachsene zu behandeln! Das würde sie massiv überfordern und entspricht weder physisch, noch psychisch ihrem Entwicklungsstand.
Also was steckt dahinter?
Man meint damit in den meisten Fällen das Gefühl von oben herab behandelt zu werden. Als wäre man weniger wert oder hätte eine niedrigere Stellung.
Im Leben generell sind Hierarchien bezogen auf die Aufgabenverteilung sicherlich sehr hilfreich. Eine geklärte Zuständigkeit oder das Zuteilen von Verantwortlichkeiten machen durchaus Sinn. Bezogen auf die Wertigkeit des einzelnen Menschen hingegen schleicht sich rasch Unwohlsein ein. Und das auch vollkommen zurecht.
Niemand möchte weniger wert sein, als ein anderer. Ich jedenfalls nicht und ich denke, jeder der schon mal so behandelt wurde, weiß was ich damit meine.
Besonders wenn es um die Erbringung einer Leistung geht, sind wir Menschen empfindlich. Häufig, weil sich viele von uns mit der Qualität oder Quantität ihrer Leistung identifizieren.
Wie können wir also unseren Mitmenschen das Gefühl geben mit uns auf gleicher Höhe zu stehen? Mit der entsprechenden Kommunikation.
Das Lob bezieht sich auf die Beurteilung, es pickt die punktuell erbrachte Leistung heraus und schließt hier ab.
Es motiviert nicht, es stellt fest. Eine andere Person beschließt, ob eine erbrachte Leistung für gut befunden wird oder nicht.
„Das ist ein schönes Bild.“ „Das hast du gut gemacht.“ „Du hast toll geschrieben.“
„Frau Schmidt das haben sie schön ausgesucht.“
Die Anerkennung beschreibt hingegen die Leistung und ist dadurch spezifischer. Sie erklärt was für gut befunden wird. Hier schwingt schon Motivation für weitere solcher Handlungen mit.
„Frau Schmidt die Auswahl der Blumen ist ihnen sehr gelungen, das macht den Raum gemütlicher und die Farbauswahl ist herrlich.“
Doch die Wertschätzung ist die Königin in dieser Disziplin.
Sie ist erhaben und beurteilt nicht. Sie formuliert was mit einer gesetzten Handlung oder Leistung ausgelöst wird.
Das Gegenüber kann sich damit identifizieren (oder auch nicht), jedenfalls ist die Leistung losgelöst von der Wertigkeit der Person. Es gibt keine Beurteilung, sondern eine Beschreibung dessen was geschehen ist und was es mit einem macht.
„Frau Schmidt wie gemütlich und stimmig dieser Raum jetzt aussieht, die Farbauswahl erinnert mich an Sommer. Es freut mich, dass sie sich darum gekümmert haben. Haben sie da einen bestimmten Ansatz verfolgt?“
Selbstverständlich kann man auch nachfragen, ob derjenige mit seiner Leistung zufrieden ist und warum bzw. warum nicht. Ist ein genaueres Feedback gewünscht, kann es daraufhin erfolgen.
In meinen Klassen gab es beispielsweise beim Erstschreiben keine Kritik, sondern ausschließlich Informationen. In einer Reihe von neuen Buchstaben oder Wörtern suchte ich mir die am besten gelungenen heraus und zeigt sie dem Kind.
„Dieses, dieses und das M auch noch, die gefallen mir am besten. Welches findest du ist dir am besten gelungen?“
Das Kind hat hier keine Beurteilung zu befürchten. Im Gegenteil wird es sich darauf konzentrieren seine beste Leistung zu definieren und ihr nachzueifern.
Es vergleicht (in diesem Fall) die einzelnen Buchstaben miteinander, prägt sich die Form, das Verhältnis der Linien dadurch noch besser ein und nutzt mehrere Sinne gleichzeitig.
Es war damit nicht von meiner Beurteilung abhängig, sondern lernt sich selbst einzuschätzen und überdenkt, ob es mit seiner erbrachten Leistung zufrieden ist, oder nicht und warum.
Ein weiteres Beispiel findet sich im Zeichenunterricht.
Ich selbst hatte nie klassische Zeichenstunden, sondern immer gleich ganze Kreativwochen, aber dazu ein anderes Mal mehr.
Griaß eich die Madln, servas die Buam!